In der Welt des IT Service Managements ist die Messung der Performance grundlegend – das war schon immer so.
Über Jahrzehnte hinweg stellten SLAs (Service Level Agreements) den wichtigsten und nahezu einzigen Standard dar: Service-Verfügbarkeit, Reaktionszeiten, System-Verfügbarkeit. Doch heute, mit der Weiterentwicklung der Nutzererwartungen und der zunehmend strategischen Rolle der IT, reichen diese Kennzahlen nicht mehr aus. Sie müssen in ein größeres Schema integriert und aktualisiert werden.
Im Jahr 2026 wird die eigentliche Herausforderung für CIOs (Chief Information Officers) darin bestehen, Nutzer-Erfahrungen zu messen. Und dafür werden XLAs (Experience Level Agreements) benötigt: Kennzahlen, welche die von Mitarbeitenden und Endnutzern wahrgenommene Qualität bewerten und die IT-Performance direkt mit dem für das Unternehmen generierten Wert verknüpfen.
Darauf werden wir uns in diesem Artikel konzentrieren.
SLA vs. XLA: Ein Paradigmenwechsel
Kommen wir direkt zum Punkt und ziehen wir eine klare Linie zwischen traditionellen SLAs und modernen XLAs.
SLAs messen die Quantität (zum Beispiel: 99,9 % Verfügbarkeit), XLAs messen die Qualität (um beim Beispiel zu bleiben: wie sehr diese Verfügbarkeit von den Nutzern als hilfreich oder reibungslos wahrgenommen wurde).
Während sich SLAs ausschließlich auf technische Zielwerte konzentrieren, betrachten XLAs die tatsächlichen Auswirkungen auf die tägliche Arbeit, auf Effizienz und auf die Zufriedenheit der Nutzer.
Anders ausgedrückt: Wenn SLAs die Frage beantworten „War das System verfügbar?“, stellen XLAs die für den Nutzer relevantere Frage: „Hat es mir geholfen, gut zu arbeiten?“
Experience ist kein beiläufiges Nebenprodukt, sondern ein direkter Spiegel der IT-Effektivität: Langsam ladende Programme und Anwendungen mit vielen unnötigen Schritten erzeugen Frustration. Dies wiederum verlangsamt Abläufe und mindert die Produktivität. All das führt letztlich zu Verlusten von Umsatz und Marktpositionen.
Kurz gesagt: Der Perspektivwechsel von SLAs zu XLAs – also von nüchternen Daten hin zur Experience – ist kein theoretischer Wert, sondern notwendig.
In einem Kontext, in dem hybrides Arbeiten, Employee Experience und die Digitalisierung von Prozessen im Mittelpunkt stehen, bedeutet die ausschließliche Messung technischer Verfügbarkeit, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. Ein IT-Service kann technisch problemlos funktionieren und dennoch für den Endnutzer frustrierend oder ineffektiv sein.
Genau hier müssen CIOs ansetzen, indem sie neue Experience-Kennzahlen einführen. Denn nur durch das Verständnis der wahrgenommenen Qualität und der tatsächlichen Auswirkungen von Services auf den Arbeitsalltag ist es möglich, IT und Business wirklich in Einklang zu bringen und die Lücke zwischen der technischen Leistung und dem wahrgenommenen Mehrwert zu schließen.
Die 5 XLA-Kennzahlen für 2026
Es geht also nicht nur um das Messen: Es geht darum, zuzuhören, zu interpretieren und kontinuierlich zu verbessern, wie die IT die Arbeit der Menschen unterstützt.
Bleiben wir konkret und betrachten die fünf grundlegenden Kennzahlen, die in eine auf 2026 ausgerichtete XLA-Strategie aufgenommen werden sollten. Jede davon stellt einen essenziellen Baustein für eine konsistente, zufriedenstellende und produktive Nutzererfahrung dar.
1. Wahrgenommene Effizienz
Hier handelt es sich um eine Kennzahl für das subjektive Empfinden der Nutzer, inwiefern IT-Tools ihnen helfen, ihre tägliche Arbeit ohne Probleme oder Einschränkungen zu erledigen. Sie beschränkt sich nicht auf die tatsächliche Systemgeschwindigkeit, sondern bewertet die wahrgenommene Reaktionsfähigkeit von Anwendungen, die Agilität operativer Abläufe und die Benutzerfreundlichkeit der Tools.
Es gilt der folgende Grundsatz: Eine Plattform kann technisch leistungsfähig sein – wird sie jedoch als umständlich oder unintuitiv wahrgenommen, kann sie dennoch ineffektiv sein.
2. Time to Full Productivity
Diese Kennzahl quantifiziert die durchschnittliche Zeit, die ein Mitarbeitender benötigt, um nach einem Änderungsvorgang wieder vollständig arbeitsfähig zu sein (zum Beispiel nach dem Onboarding, einem Gerätewechsel oder einem Software-Update). Diese Kennzahl muss die gesamte Journey berücksichtigen: von der ersten Interaktion mit dem System bis zur vollständigen Autonomie.
Die Optimierung dieser Journey bedeutet nicht nur eine höhere Effizienz, sondern auch ein besseres initiales Engagement mit der IT und ein geringeres Risiko von Fehlanpassungen in kritischen Momenten.
3. Reale operative Kontinuität
Dies ist eine Kennzahl, die über die technische Verfügbarkeit hinausgeht und berücksichtigt, wie oft und wie lange Nutzer Unterbrechungen, Verlangsamungen oder wahrgenommene Service-Störungen erlebt haben. Sie muss Mikro-Unterbrechungen, Performance-Verschlechterungen und solche Probleme einbeziehen, die zwar nicht als offizielle Incidents registriert werden, jedoch die Nutzererfahrung und die Produktivität negativ beeinflussen.
4. User Frustration Rate
Diesen Wert misst man auf Basis von Umfragen, wiederkehrenden Tickets, Eskalationen oder sogar Sentiment-Analysen. Er gibt Aufschluss über die wahrgenommene Qualität des IT-Supports. Dabei geht er über das bloße Zählen von Tickets hinaus, indem er die Art der Probleme, ihre Wiederholungshäufigkeit und den Grad der direkt oder indirekt geäußerten Unzufriedenheit analysiert. Eine hohe Frustrationsrate weist auf eine Diskrepanz zwischen dem Angebot und den Erwartungen hin.
5. IT Happiness Score
Abschließend findet sich hier eine aggregierte Kennzahl, welche die allgemeine Zufriedenheit der Nutzer mit IT-Services bewertet. Sie kann aus regelmäßigen Umfragen, spontanem Feedback über digitale Kanäle oder indirekten Indikatoren wie der tatsächlichen Adoption vorgeschlagener Lösungen, der fortgesetzten Nutzung im Zeitverlauf oder der Bereitschaft zur Wiederverwendung abgeleitet werden. Sie ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Kompass, um zu verstehen, ob die IT als mehr oder weniger hilfreich wahrgenommen wird.
Wie man eine XLA-Strategie für 2026 implementiert
In den vorherigen Abschnitten haben wir hervorgehoben, wie XLAs ein neues Paradigma zur Messung der Effektivität von IT-Services darstellen: eine Verschiebung des Fokus von technischen Kennzahlen hin zu den tatsächlichen Auswirkungen auf die Produktivität, die Zufriedenheit und die wahrgenommene Effizienz aus der Nutzerperspektive.
Wir haben die wichtigsten Kennzahlen definiert, aufgezeigt, wie sie verborgene Aspekte der User Experience sichtbar machen können, und ihre entscheidende Rolle bei der Ausrichtung der IT an den strategischen Unternehmenszielen betont.
Doch das Wissen um die richtigen Kennzahlen allein reicht nicht aus: Es braucht einen konkreten Plan, um sie in Geschäftsprozesse zu integrieren. Kurzum: Die Einführung von XLAs erfordert einen kulturellen Wandel – nicht nur einen technologischen.
Was können und müssen Unternehmen nun konkret tun, um diese Implementierung voranzubringen?
- Unternehmen sollten zunächst eine Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands durchführen, qualitative Daten – einschließlich Umfragen, Echtzeit-Feedback und Sentiment-Analysen – zusätzlich zu quantitativen erheben, um eine authentische Sicht auf die Experience zu erhalten.
- Es empfiehlt sich, Endnutzer und HR-Abteilungen in die Analyse einzubeziehen, um funktionsübergreifende Perspektiven zu integrieren und die Nutzererfahrung zum Bestandteil des abteilungsübergreifenden Dialogs zu machen.
- Die Implementierung darf nicht als einmaliger Prozess verstanden werden. Stattdessen sollten Feedbacks in kontinuierliche Verbesserungsprozesse integriert werden, sodass ein positiver Kreislauf entsteht, in dem die Wahrnehmungen der Nutzer zu evolutionären Service-Anpassungen führen.
- Unternehmen sollten fortschrittliche ITSM-Plattformen nutzen, die technische und qualitative Daten miteinander verknüpfen und sowohl auf operativer als auch auf strategischer Ebene umsetzbare Erkenntnisse liefern.
Tools wie EV Observe können den Übergang zu XLAs unterstützen und eine vollständige sowie integrierte Transparenz für Nutzererfahrungen, Leistungen und Prozesse bieten.
Herausforderungen bei der Implementierung: Häufige Hindernisse – und wie man sie überwindet
Obwohl die Vorteile der Einführung von XLAs offensichtlich sind, dürfen die Schwierigkeiten, denen Unternehmen beim Übergang von einem SLA-zentrierten Modell zu einem auf User Experience basierenden Ansatz begegnen, nicht unterschätzt werden.
Was sind die größten Hindernisse?
Eine klare und universelle Antwort ist schwierig, da vieles von den spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Unternehmens abhängt.
Dennoch treten einige Kernprobleme immer wieder auf.
- Kultureller Widerstand: Viele IT-Teams sind es gewohnt, Performance ausschließlich in technischen Begriffen zu messen. Ein Mindset-Wechsel erfordert Trainings, Führung und eine gemeinsame Vision, die den Nutzer in den Mittelpunkt stellt. Das ist eine komplexe Aufgabe, die sich jedoch sehr lohnt.
- Datenreife: Die Erhebung und Analyse qualitativer Experience-Daten kann anfangs komplex sein, insbesondere wenn Unternehmenssysteme nicht integriert sind oder strukturierte Listening-Tools fehlen.
- Funktionsübergreifende Einbindung: XLAs sind nicht nur eine IT-Angelegenheit. Sie erfordern die Zusammenarbeit von HR, Operations, der (internen) Kommunikationsabteilung und Führungskräften, um die Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzer vollständig zu verstehen.
- Operative Nachhaltigkeit: Neue Kennzahlen zu integrieren, Feedback zu sammeln, Sentiment-Analysen durchzuführen und Prozesse zu aktualisieren, ist keine einmalige Aufgabe, sondern eine kontinuierliche Transformation, die über die Zeit aufrechterhalten werden muss. Wird dieser Punkt nicht verstanden, bleibt der Wandel oberflächlich.
Dies sind selbstverständlich keine trivialen Herausforderungen. Doch sie lassen sich mit einer intelligenten XLA-Implementierung überwinden – durch einen schrittweisen, datengetriebenen Ansatz, der Mitarbeitende einbezieht.
Fazit
In naher Zukunft werden CIOs nicht mehr ausschließlich an ihrer Fähigkeit gemessen, die Infrastruktur betriebsbereit zu halten, sondern an der tatsächlichen Auswirkung der IT auf die Produktivität, das Mitarbeitenden-Wohlbefinden und die Geschäftsergebnisse. XLAs sind das richtige Instrument, um dieser Herausforderung zu begegnen – im Jahr 2026 und darüber hinaus.
Die Kombination von XLA-Kennzahlen mit traditionellen SLAs bedeutet, User in den Mittelpunkt zu stellen (nicht nur als Schlagwort), das wirklich Wichtige zu messen und die IT zu einem strategischen Partner für das Unternehmenswachstum zu machen.
FAQ
Was sind XLAs?
XLAs (Experience Level Agreements) sind Vereinbarungen, welche die Qualität der User Experience im Zusammenhang mit IT-Services definieren und messen, indem sie subjektive und wahrgenommene Kennzahlen integrieren.
Warum reichen SLAs nicht mehr aus?
Weil sich SLAs auf technische Parameter konzentrieren, die nicht die tatsächliche Nutzererfahrung widerspiegeln und dadurch kritische Probleme verborgen bleiben können.
Welche Vorteile bringen XLAs für CIOs?
Sie ermöglichen es, die IT mit den Geschäftszielen in Einklang zu bringen, die interne Zufriedenheit zu verbessern und Investitionen mit wertorientierten Kennzahlen zu rechtfertigen.